An den Stift, fertig, los! Vorüberlegungen zum Comiczeichnen

Ein Comic lebt nicht vom Drumherum, sondern einzig von der Darstellung der Figuren. Sie tragen die Bildgeschichte und lassen sie interessant werden. Doch wie werden die verschiedenen Charaktere und deren Stimmungen am besten dargestellt? Wie sehen einzelne Figuren aus verschiedenen Perspektiven aus? Und was genau macht eine Figur aus? Im Comiczeichenkurs werden all diese und noch viele weitere Dinge vermittelt, die für eine lebendige Geschichte wichtig sind. Das Grundverständnis für das Zeichnen kann erlernt werden!
 

Comics zeichnen lernen: Das braucht es für den Start

Ehe es ans eigentliche Zeichnen geht, muss erst einmal das wichtigste Startmaterial vorhanden sein. Es braucht nicht viele verschiedene Stiftarten oder Farben, wichtiger ist die Qualität des Zeichenmaterials. Die folgenden Utensilien sind unabdingbar:

• Stapel A4-Zeichen- oder Druckerpapier 
• mehrere Bleistifte in HB und B 
• fester Radiergummi 
• Anspitzer 
• Filzstifte und Fineliner, möglichst in verschiedenen Strichstärken 
• Lineal 
• Skizzenbuch 
 
Schon bald zeigt sich, womit der einzelne Zeichner am liebsten arbeitet. Der eine geht besonders gern mit Bleistift und Buntstift zu Werk, andere steigen auf Tinte, wieder andere auf Tusche um. Es lohnt sich, die verschiedenen Maltechniken zu probieren und die persönlich bevorzugte auf diese Art zu finden!
 

Beobachten und Ausprobieren

Kaum einer der heute bekannten und erfolgreichen Comiczeichner ist auf die Welt gekommen und konnte perfekt zeichnen. Die meisten haben damit angefangen, bereits fertige Comics abzuzeichnen, teilweise sogar in der Strichmännchen-Technik. Daraus ergab sich irgendwann ein eigener Stil. Wichtig ist es, sich möglichst viele verschiedene Vorlagen anzuschauen. Wer Comicfiguren zeichnen möchte, muss diese erst einmal kennenlernen!

Außerdem sollten Menschen beobachtet werden. Wie genau bewegen sie sich, wie sind ihre Proportionen, worauf gilt es beim Zeichnen zu achten? Eine Figur in Ruhe zu malen, ist nicht schwer, doch in der Bewegung verändert sie sich stark. Beim Comiczeichnen steht daher immer eine Beobachtung der menschlichen Anatomie als Grundlage vor dem eigentlichen Zeichnen, und auch später noch lohnt es sich, verschiedene Positionen und Perspektiven wenigstens bei Strichmännchen auszuprobieren und zu Papier zu bringen. Wichtig: Comicfiguren sollen auch ohne Text darstellen, was der Zeichner mit ihnen ausdrücken möchte. Ein Superheld zeichnet sich durch seine Muskeln aus. Wer von menschlicher Anatomie keine Ahnung hat, weiß in der Regel auch nicht, wohin er die Muskeln zeichnen soll. Daher: bitte genau hinschauen und zeichnerisch umsetzen!

Einzelne Körperteile zeichnen

Das wichtigste Körperteil der Comicfiguren ist der Kopf. Er ist immer im Bild, im Gegensatz zum Körper, der gern mal aus dem Bild verschwinden darf. Im Comiczeichenkurs wird daher vermittelt, welche Schädelformen es gibt, wie der Gesichtsausdruck sein kann und wie aus einer platten Fläche ein dreidimensionales Figurenköpfchen wird.
Zunächst wird für den Kopf ein Oval gezeichnet. Nun müssen eine senkrechte und eine waagerechte Hilfslinie in das Gesicht gebracht werden, hiermit entsteht ein Kreuz. Auf diesem werden Augen, Nase und Mund der Figur gezeichnet, wobei wichtig ist, dass sich immer alles unterhalb der waagerechten Linie befindet. Maximal die Augen dürfen mittig auf der Linie platziert werden. Um die gewünschte Dreidimensionalität zu erreichen, müssen die Hilfslinien allerdings gewölbt gezeichnet werden. Damit entstehen Gesichter im Halbprofil oder Profil.
 
Doch leider lebt das Gesicht der Comicfiguren immer noch nicht! Daher heißt es nun, sich der Mimik zu widmen. Hierbei sind die Augen extrem wichtig, denn sie spiegeln die Emotionen am deutlichsten wider. Letzten Endes ist dabei ein wenig Ausprobieren angesagt, ehe ein freudiger, zorniger, trauriger, verliebter, ängstlicher oder wütender Ausdruck auf dem Gesicht der Figur erscheint. Gerade bei den Gesichtern gilt der altbekannte Spruch: Übung macht den Meister!
 
Wer sich anfangs mit Strichmännchen beschäftigt hat, wird nun auch den Körper zeichnen können. Ein Strichmännchen ist allerdings nicht dreidimensional, also nur bedingt als Vorlage zu benutzen. Der Körper der Comicfiguren wird vielmehr durch Zylinder und Kugeln geformt. Brustkorb und Becken werden als Kugeln gezeichnet, auch die Gelenke von Schultern, Ellenbogen und Knie werden (kleinere) Kugeln. Die übrigen Teile wie Arme und Hände, Bauch, Ober- und Unterschenkel werden als Zylinder dargestellt. Um ein Gefühl für die Proportionen zu bekommen, ist es sinnvoll, die Teile noch nicht direkt aneinanderzusetzen, sondern sie erst einmal ein wenig versetzt zu zeichnen.
Je nachdem, wie groß oder klein, dick oder dünn die Kugeln und Zylinder des Rumpfes gezeichnet werden, ergibt sich daraus die Figur. Eine dicke Figur lebt von großen Kugeln, dünne Figürchen bekommen nur für Brustkorb und Becken größere Kugeln, der Zylinder des Bauches bleibt kleiner bzw. schmaler. Das gilt auch für weibliche Figuren, die auf diese Art eine Wespentaille bekommen können.

Neben der Mimik ist die Gestik der Figuren besonders wichtig, daher wird diesem Punkt im Comiczeichenkurs besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Figur teilt über ihre Gestik mit, wie sie sich gerade fühlt, und so kann ein zusammengesunkener Körper in Verbindung mit hängenden Augenlidern und -brauen ganz leicht eine sehr deprimierte Figur darstellen. Wichtig: Die Gestik muss eindeutig sein, damit der Leser die Geschichte richtig versteht! Als Vorlage können Bilder und Darstellungen echter Menschen dienen, die in möglichst ausdrucksstarker Haltung fotografiert worden sind.

Das hat nicht Hand noch Fuß! Genau, bis hierhin ist die Comicfigur noch nicht wirklich lebendig. Aber: Auch das Zeichnen von Händen und Füßen ist ganz leicht, denn es folgt wiederum der Darstellung einfacher Grundformen. Hände ergeben sich aus Kreisen (Handflächen) und länglichen Zylindern (Finger). Wichtig ist hierbei, dass die Proportionen stimmig sind, denn zu große Hände sehen ebenso falsch aus wie zu kleine. Bei den Füßen ist es etwas anders, hier hat der Zeichner mehr künstlerische Freiheit. Die Schwierigkeit bei Füßen besteht eher darin, sie in der Bewegung korrekt zu zeichnen, denn beim Laufen rollen die Zehen ab, beim Auftreten muss der Hacken unten sein, eine hinkende Figur zieht den Fuß hinter sich her. Dafür verändern die Füße ihre Form nicht ganz so stark wie Hände und Finger, die gerade nach etwas greifen.

Darstellungen beim Comiczeichnen: eine Frage der Perspektive

In jedem Comiczeichenkurs geht es um die Perspektive – klar, denn Comicfiguren, die sich nur in verschiedenen Ansichten (frontal, seitlich, hinten) zeigen, sind auf Dauer langweilig. Comics leben davon, dass sich Bilder und Perspektiven ändern, dadurch entwickelt sich die Dynamik der ganzen Geschichte. Es geht um die Raumtiefe, mit der sich die gewünschte Dreidimensionalität darstellen lässt. Das Bild wird beim Zeichnen durch eine Horizontallinie geteilt, die erst einmal nichts weiter ist als eine waagerechte Linie. Wird nun um die Comicfigur ein Kasten gezeichnet und wird dieser so nach oben verschoben, dass es aussieht, als würde der Betrachter von unten schauen, ergibt das die Froschperspektive. In der anderen Richtung wird die Vogelperspektive daraus. Spätestens an dieser Stelle kommt das Lineal zum Einsatz, denn es hilft dabei, die Figur entlang der Hilfslinie so zu verschieben, dass sie sich auf einen Fluchtpunkt hin orientiert. Damit ergibt sich der Eindruck der genannten beiden Perspektivenarten.

Ein wichtiger Punkt ist das Verhältnis der Figuren zueinander. Wenn eine Figur weiter vorn steht, muss diese natürlich größer erscheinen als die Figur, die weiter hinten steht. Dabei helfen wiederum Hilfslinien, die sich an einem Fluchtpunkt auf der Horizontallinie orientieren. Bei dieser Verfahrensweise wird jedoch davon ausgegangen, dass alle Figuren gleich groß sind und dass diese nur unterschiedlich weit im Raum stehen. Wer verschieden große Figuren in die Szene einbaut, muss darauf achten, dass diese zwar ebenfalls auf den Fluchtpunkt ausgerichtet werden, es dürfen aber nicht alle Proportionen einer Figur im Vordergrund den Proportionen der Figur im Hintergrund entsprechen.

Comiczeichnen macht Spaß! Einige letzte Tipps

Erfahrene Comiczeichner wissen, dass es immer gut ist, ein Skizzenbuch in der Tasche zu haben. Denn: Die besten Ideen entstehen immer dann, wenn man es nicht erwartet! Wer diese Idee gleich festhalten kann, wird daraus leichter eine Geschichte basteln können.

Nichts ist ärgerlicher, als eine tolle Idee zu haben und diese dann nicht umsetzen zu können!
Außerdem ist es ratsam, einen Comic zu planen. Egal ob er über mehrere Seiten gehen und ein ganzes Heft füllen soll oder ob es sich nur um eine A4-Seite handelt, auf die sechs oder acht Bilder in fester Abfolge gezeichnet werden sollen – ein Zeichner sollte immer wissen, wo die Reise hingeht. Das erleichtert es, die richtige Reihenfolge der Bilder festzulegen und die einzelnen Szenen zu planen. Denn auch wenn ein Text zur Erklärung vorhanden ist, so darf der Leser doch nicht mit „Bildsprüngen“ überrumpelt werden. Er sollte das jeweils folgende Bild immer nachvollziehen können und wissen, warum ausgerechnet jetzt dieses Bild kommt. Die Geschichte eines Comics ist eine Abfolge von Bildern, keine einfache Aneinanderreihung. Insofern gehören zu dem eingangs erwähnten Grundmaterial, das ein Comiczeichner haben sollte, auch das Skizzen- sowie das Notizbuch.

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